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Was ist das Besondere an römischer und pompejanischer Wandmalerei?

  • anekah5
  • 2. Jan.
  • 9 Min. Lesezeit

Initiationsritus aus der Villa der Mysterien in Pompeji
Initiationsritus aus der Villa der Mysterien in Pompeji

Antike Malereien geben uns die Möglichkeit, in das Leben der Menschen vor langer Zeit einzutauchen. Wie lebten sie? Womit beschäftigten sie sich? Wie präsentierten sie sich anderen? In welchen Räumen fühlten sie sich wohl?


Die Pracht römischer Wandmalerei beeindruckt uns heute zutiefst und wir fragen uns, wie und warum Menschen damals so großartige Malereien anfertigten.

Dem will ich hier nachgehen und zeigen, wie römische Wandmalereien entstanden und wie man ihre Besonderheiten erkennt.

Gibt es eigentlich einen Unterschied zwischen römischer und pompejanischer Malerei? Pompejanische Fresken erscheinen uns vielleicht bekannter als römische Wandmalerei, aber das liegt einzig daran, dass in Pompeji die meisten erhaltenen Beispiele von Wandmalereien zu finden sind. Solche Wandgestaltungen gab es im ganzen römischen Reich, nur in Pompeji sind sie so gut erhalten geblieben. Es sind also nur zwei Begriffe für dieselbe Sache.


Inhalt

Historische Einordnung


Wir sollten nicht vergessen, dass es ein unglaubliches Privileg für uns heutige Menschen ist, diese Malereien zu betrachten. Der Zeitraum, über den wir hier sprechen, reicht von ca. 300 v.Chr. bis ins 4. Jh. n.Chr., also der Zeit der Römischen Republik und danach der Römischen Kaiserzeit. Wobei die meisten erhaltenen Fresken aus Pompeji und umliegenden Ortschaften wie Herculaneum und Oplontis stammen, die im Jahr 79 n.Chr. bei einem spektakulären Ausbruch des Vesuvs innerhalb kürzester Zeit verschüttet wurden und uns so erhalten blieben.

Hinzu kommt, dass es zwar auch in einfachen Wohnhäusern und öffentlichen Gebäuden Wandmalereien gab, der große Teil aber in den Villen der Elite angebracht war und damit auch nur dem inneren Familienkreis und den entsprechenden Bevölkerungsschichten zugänglich war.

Wir können uns also heutzutage ein Bild davon machen, wie die Menschen damals lebten und vor allem, wie sie sich selbst sahen und repräsentierten.

Das Alexandermosaik aus dem Haus des Fauns in Pompeji. Es zeigt Alexander den Großen in einem entscheidenden Moment in der Schlacht mit dem Perserkönig Dareios III.
Das Alexandermosaik aus dem Haus des Fauns in Pompeji. Es zeigt Alexander den Großen in einem entscheidenden Moment in der Schlacht mit dem Perserkönig Dareios III.

Das Römische Selbstbild


Die Römer waren Nachkommen einfacher Schafhirten und nach deren Eroberung auch der Etrusker. Nach dem unerwarteten Sieg über Carthago und die Makedonier fanden sie sich plötzlich als die uneingeschränkten Herrscher über den Mittelmeerraum wieder und sahen sich als die rechtmäßigen Nachfolger des Reiches von Alexander dem Großen.

Daher rührt ihre große Verehrung und Vereinnahmung von allem Griechischen und dass jeder Bürger eines gewissen Standes irgendwie das Gehabe eines Königs an den Tag legte.

Durch die Ausweitung des Römischen Reiches floss nicht nur großer Reichtum ins Zentrum der Macht, sondern man sah auch, wie die hellenistischen Könige residierten. Und so begannen die Römer, diese Paläste für sich selbst nachzubauen, aber größer und schöner.


Die Kunst der Wandmalerei


Pompejis Bedeutung für unser Verständnis antiker Wandmalereien kann gar nicht überschätzt werden. Von originalen griechischen Wandbildern ist fast nichts erhalten. Ein seltenes Beispiel ist das makedonische Grab von Agios Athanasios aus dem 3.Jh.v.Chr. Dagegen sind viele hellenistische Bilder als römische Kopien in Form von Fresken und Mosaiken erhalten.

Das makedonische Grab von Agios Athanasios
Das makedonische Grab von Agios Athanasios

Die Brillanz der Farben, die uns heute so beeindruckt, liegt in einer einfachen und sehr alten Technik begründet: dem Fresko. Dabei wird eine dünne Schicht Kalkputz aufgetragen und in die noch feuchte Oberfläche gemalt. Das Kohlendioxid der Luft reagiert mit dem Kalk und wird zu Kalziumcarbonat. Dadurch verbindet sich die Farbe mit dem Putz und es entsteht eine wie polierte Oberfläche.

Nicht alle Pigmente eigneten sich für diese Technik. Am besten funktionierten Erdtöne wie gelber und roter Ocker, Veroneser grüne Erde, weiße Kreide oder Kalk, Ägyptisch Blau (eine künstlich hergestellte Farbe aus einer Kupferverbindung) und Schwarz aus Ruß oder Holzkohle. Aber die gebräuchlichste Farbe waren Rottöne: Zinnoberrot und ein gebrannter Ocker mit besonders hohem Rotanteil, der auch als Pompejanisch Rot berühmt geworden ist. Als Bindemittel wurde Punisches Wachs verwendet, was zusätzlich zum Effekt einer polierten Fläche beitrug.


Die meisten Gemälde wurde von anonymen Künstlern geschaffen. Es gab eine Arbeitsteilung zwischen den Farbenreibern, den Figurenmalern, den Hintergrundmalern und dem Meister, der auch das Design entwarf. Das Arbeiten in frischem Putz erfordert eine gewisse Geschwindigkeit. Und das sieht man vielen Malereien auch an: man sieht deutlich den Schwung des Pinsels, Farben werden einfach auf- und übereinander gesetzt, um Plastizität zu erreichen und kaum zarte Farbübergänge gestaltet. Der Vorgang des Malens ist im endgültigen Bild noch deutlich spürbar.


Das Malergrab im Museum Frankfurt-Heddernheim. Zu sehen sind verschiedene Farbtöpfe als Grabbeigaben.
Das Malergrab im Museum Frankfurt-Heddernheim. Zu sehen sind verschiedene Farbtöpfe als Grabbeigaben.

Die verschiedenen Stile


Man unterscheidet vier verschiedene Stile, die zwar „pompejanisch“ genannt werden, aber sich im gesamten Römischen Reich finden. Sie folgen zeitlich aufeinander, vermischen sich aber auch immer wieder.

Die Verwendung von Illusionsmalerei, um die Wände zu dekorieren, war ein genialer Kunstgriff der Römer, um ihren neugewonnenen Status mit relativ bescheidenen Mitteln zum Ausdruck zu bringen.


Der erste pompejanische Stil (ca. 300-100 v.Chr.)


Hier wird eine recht einfache Technik angewandt: Der Kalkputz wird auf die Wand aufgetragen und eingeritzt und soll teure Materialen wie seltenen Marmor imitieren. Die Wand wird in senkrechte Orthostaten (Säulen) und waagrechte Friese und Blöcke aufgeteilt.


1 Stabiae, Villa di Ariana - 2 Rekonstruktion Pompeji, Casa di Sallustio - 3 Herculaneum


Der zweite pompejanische Stil (ca. 80-20 v.Chr.)


In dieser Stilepoche wird die Perspektive eingeführt und die Wand optisch komplett aufgebrochen. Man hat den Eindruck, durch die Wand hindurchzusehen; auf weitere Architektur oder in einen Garten. Architektonische Elemente wie Säulen, Pilaster, Bögen und Fenster werden auf die Wand aufgemalt und nicht gebaut. Die Illusion von Kandelabern, Blumengirlanden und Statuen, die vor der Wand stehen, wird erzeugt. Die Trompe l’oeil Malerei erreicht damit einen Höhepunkt und erschafft Räume vorher ungekannter Opulenz. Gemälde mit griechischen Mythologien werden in die Wandgestaltung integriert.


1 Pompeji, Villa dei Misteri - 2 Boscoreale, Villa Publius Fannius Synistor - 3 Oplintis, Villa Poppea


Der dritte pompejanische Stil (ca. 15 v.Chr. – 50 n.Chr.)


Unter Kaiser Augustus wurde eine neue Bescheidenheit propagiert. Die überbordende Gestaltung verschwindet, nun wird die Wand wieder flacher. Üblicherweise wird sie sowohl horizontal als auch vertikal in drei Teile geteilt. Der Sockelbereich ist meist dunkel, der obere Bereich hell und kleinteiliger gegliedert. In der mittleren Zone sehen wir größere Farbflächen, die von zarten Ornamenten eingerahmt werden. In der Mitte der Flächen finden sich entweder ein zentrales Bild oder einzelne, kleine, wie schwebende Figuren. Teilweise nehmen die Bildgeschichten den kompletten mittleren Teil der Wandgestaltung ein wie in der Villa der Mysterien. Es wird eine strenge Symmetrie eingehalten.

Alles wirkt dadurch friedlich und geordnet. Idyllische und romantische Themen werden bearbeitet.

1 Rom, Villa Farnesina, 2 Pompeji, Haus des Jason - 3 Boscotreasce, Villa Agrippa Postumus - 4 Oplontis, Villa Poppea - 5 Pompeji, Villa Marcus Lucretius Fronto


Der vierte pompejanische Stil (ca. 50-79 n.Chr.)


Dieser Stil wird zuerst in Kaiser Neros Domus Aurea in Rom verwendet, aber sein berühmtestes Beispiel ist die Villa der Vetiier in Pompeji. Bis zur Zerstörung Pompejis im Jahr 79 entwickelt er sich weiter und integriert wieder architektonische Elemente, Gemäldekopien und illusionistische Details aller vorangegangener Stile. Auch üppige Marmorimitation wird wieder verwendet. Allerdings wird hier nicht mehr auf Realismus geachtet, sondern alles wird teilweise sehr phantastisch miteinander kombiniert. Plastische Architekturdetails inmitten flächiger Ornamente; Gardinen, die an Nichts hängen; Pflanzen, die weder rein realistisch noch rein ornamental sind. Hauptsache prachtvoll!

1 Herculaneum, Palestra - 2,3 Herculaneum - Haus des Großen Portals - 4 Rom, Domus Aurea - 5 Pompeji, Haus der Vettier


Nach dem Ausbruch des Vesuvs


Wandmalereien findet man noch bis ans Ende des Römischen Reiches gegen 400 n.Chr. Allerdings gibt es dafür natürlich viel weniger Beispiele, da diese ja nicht in der Zeit eingefroren wurden wie in Pompeji, sondern ihrem natürlichen Verfall anheim fielen.

Aber grundsätzlich lässt sich dagen, dass einige Hauptmerkale über die Jahrhunderte beibehalten wurden: Die Gliederung der Wand in vertikale und horizontale Zonen, die Abgrenzung durch ornamentale Bänder oder Säulen und die Darstellung von Gottheiten. Über die Zeit wurden immer weniger architektonische Elemente eingebaut, die Wand wurde optisch flacher und nach und nach verarmte auch die Farbpalette.


Die Themen der römischen Fresken


Der Garten


Wie wir schon gesehen haben, waren die Römer ursprünglich ein bäuerliches Volk. Einen Gemüsegarten gab es hinter jedem Haus. Aber mit dem neuen sozialen Selbstbild als hohe Herren änderte sich dieses Bild. Der Garten wurde ein Ort des Vergnügens und der Freizeit. Umgeben von Säulengängen, dekoriert mit Brunnen, Mosaiken und Statuen wurde der Garten ein lebendiger, versteckter Teil des Hauses.

Römische Adlige ließen sich gerne als Hirten darstellen und imitierten die zoologischen Gärten hellenistischer Herrscher in der Malerei. Wo es keinen direkten Zugang zum Garten gab, ersetzten umlaufende Wandmalereien den Blick nach draußen wie in der Villa di Livia in Prima Porta.


Das Triclinium der Villa di Livia in Prima Porta
Das Triclinium der Villa di Livia in Prima Porta

Griechische Kultur


Als Erben Alexanders des Großen umgab man sich mit allem Griechischen: der Sprache, den Mythen, der Kunst. Die Imitation griechischer Kultur kam vor allem im zweiten Stil zur Geltung. Gemälde mit Themen griechischer Götter und Helden wurden direkt in die gestalteten Wandflächen integriert. So entstanden ganze Galerien entlang der Wände. Friese mit kleineren Motiven zierten die oberen Bereiche und griechische Ornamente wie Mäander und korinthische Säulen wurden überall eingesetzt.

Im Haus des Kryptoporticus in Pompeji wird prominent die Geschichte der Flucht von Aeneas und seinem Vater Anchises nach dem Fall von Troja erzählt. Sie flohen mit dem Schiff nach Latium und Anchises gründete Alba Longa: die Stadt, aus der Rom später entstand. So wird ein direkter Faden von griechischer zu römischer Geschichte gesponnen und die Römer als Nachfolger der Griechen legimitiert.


Achilles und Briseis, Gemälde aus dem Haus des tragischen Dichters in Pompeji.
Achilles und Briseis, Gemälde aus dem Haus des tragischen Dichters in Pompeji.

Religion und Ritual


Die römische Religion ist polytheistisch und basierte auf einer lokalen Bauernreligion, in der es Personifikationen der Natur und Naturereignisse gab. Wie z.B. Tellus, die Erde und Ceres, die Feldfrüchte. Ab dem 5. Jh. v. Chr. importierten die Römer die griechischen Gottheiten und setzten sie mit römischen gleich. Dionysos wurde zu Bacchus und Zeus zu Jupiter und so weiter. So ergibt sich eine große Überschneidung beider Religionen und oft wurden sowohl die griechischen wie auch die römischen Namen gebraucht. Sobald das Römische Reich weitere Provinzen erobert hatte, verleibte es sich auch seine Gottheiten ein, die dann neben den bereits existierenden verehrt wurden. So entstand z.B. ein ausgeprägter Kult um die ursprünglich ägyptische Göttin Isis, die als Große Mutter vorrangig für Fruchtbarkeit, Glück und ewiges Leben stand.

Es gibt unzählige Einzeldarstellungen von Gottheiten und mythologischen Personen. Prominente Beispiele für die Darstellung religiöser Inhalte sind nicht nur die Villa der Mysterien in Pompeji, die in großen Tafeln die Initiation eines Mädchens in den Kult des Dionysos zeigt, sondern auch der Tempel der Isis in Pompeji.


Isis und Io, Isis-Tempel in Pompeji
Isis und Io, Isis-Tempel in Pompeji

Zusammenfassung:

Woran erkennt man nun römische und pompejanische Wandmalerei?


Das waren nun für den Anfang schon recht viele Merkmale römischer Wandmalerei. Deshalb gibt es hier noch einmal eine kleine Zusammenfassung.


Zeit:

Es wurden während der gesamten Existenz des Römischen Reiches Wandmalereien angefertigt, aber die meisten und berühmtesten Beispiele stammen aus dem Zeitraum von ca. 100 v.Chr. bis 79 n.Chr.


Ort:

Man findet römische Wandmalereien im gesamten Römischen Reich. Also auch nördlich der Alpen, in der Türkei und in Nordafrika. Die meisten und am besten erhaltenen stammen aber aus den vom Ausbruch des Vesuvs im Jahr 79 verschütteten Siedlungen Pompeji, Herculaneum, Stabiae, Oplontis und Boscoreale. Daher sagt man auch pompejanische Wandmalerei dazu.


Technik:

Alle römischen Wandmalereien sind in der Technik des Frescos ausgeführt.


Farbe:

Es wurden hauptsächlich Erdfarben verwendet. Besonders häufig wurden verschiedene Rottöne benutzt, daher etablierte sich der Begriff „Pompejanisch Rot“ für den am weitesten verbreiteten.


Stilmerkmale:

  1. Man unterscheidet 4 pompejanische Stile, die aber teils fließend ineinander übergehen und miteinander kombiniert werden.

  2. Die größte genuin römische Erfindung in der Wandmalerei ist die Unterteilung der Wand in drei horizontale Zonen und meist auch drei vertikale. Dadurch enstehen Panele, die von ornamentalen Bordüren und Ranken eingefasst werden und in der Fläche verschieden gestaltet werden. Zum Beispiel mit Gemälde(kopien), einzelnen Götterdarstellungen oder Ornamenten.

  3. Es wird immer der gesamte Raum bemalt, einschließlich der Decke. Als Grundfarbe wird nicht nur Weiß genutzt, sondern vor allem Rot. Aber auch Ocker, Blau und sogar Schwarz sind gebräuchlich.

  4. Neben rein ornamentalen Gestaltungen werden auch häufig architektonische Elemente dargestellt. Diese sogar meistens dreidimensional (gegenüber den flächigen Ornamenten)


Themen:

Das am häufigsten anzutreffende Thema sind Darstellungen aus der griechischen Kultur. Ornamente, aber vor allem auch mythologische Darstellungen etablieren die Römer als legitime Nachfolger des Reiches von Alexander dem Großen.

Religiöse Darstellungen umfassen griechische, römische und ägyptische Gottheiten, aber auch Darstellungen von Ritualen.

Und schlussendlich sind Gartendarstellungen sehr beliebt und in etlichen Villen zu finden.


So, das war hier meine kleine Einführung in die römische Wandmalerei. Haben Sie etwas Neues gelernt? Ich hoffe sehr, denn obwohl ich mich schon lange mit historischen Malereien beschäftige, habe ich bei der Recherche zu diesem Artikel jede Menge neue Details erfahren und meine Begeisterung für diese Kunst noch weiter vertieft.

Wenn es Ihnen auch so geht, dann teilen Sie diesen Artikel gerne mit Ihren wissensdurstigen Freunden!


Wenn dieser Artikel Sie dazu inspiriert hat, sich weiter mit römischer Kultur zu beschäftigen oder sogar, Ihrem Zuhause einen römischen Touch zu geben, dann schauen Sie sich gerne auf meiner Website und in meinem Shop um. Überall wird man Wissen und Inspiration finden.


Pompeji, Haus des goldenen Armreifs
Pompeji, Haus des goldenen Armreifs

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